Akt 1: Der Baumarkt
Um endlich meine Wohnungstür gegen Zugluft abzudichten, brauchte ich eine Dichtung. Also auf zum Baumarkt – anstatt zu “Yippiejajayippieyippieyeah” wir sonst immer ging es diesmal zm Biber. Dort also einen passenden Verkäufer gesucht, geschildert, was man braucht, nach halbem Satz ein “hamwa nich” gehört, woraufhin Herr Teufel* sein klingelndes Telefon abhob, ein “ich komm rüber” nuschelte und mich einfach stehen ließ.
Ein Kollege war dann so freundlich, ihn zurück zu holen. “Isch dachd, sie sin feddisch…” war seine lapidare Antwort. Naja, letzten Endes doch irgendwas gekriegt, was dichtet (aber sich nicht reimt), aber dafür auch die Erkenntnis, daß “Yippiejajayippieyippieyeah” einfach den besseren Service hat.
Akt 2: Der Supermarkt
Unweit von Frankfurt gibt es einen großen Supermarkt, der sich früher (da war ich das letzte mal dort) Wertkauf schimpfte, zwischenzeitlich etliche Jahre Wal Mart war, und jetzt auch zu dem Supermarkt mit dem “,- ” geworden ist. Dummerweise hat man auch gleich die Servicementalität der Kette übernommen.
Also, Leergut auf dem Parkplatz in den Einkaufswagen, den erst Schildern “Getränkemarkt” und dann “Leergutannahme” gefolgt, und schon steht man vor halbleeren Paletten und weit und breit ist kein Personal zu sehen. Von einer recht weit entfernten Kasse kommt ein unfreundlicher Ruf “Wo Sie wolle, Pfand hier!” – “Aber das Schild..” – “Sie nix sehe? Hier Kasse, Hier Pfand!”. Okay, also dort den Pfandbon abgeholt, die leeren Kästen selbst auf die Paletten gestapelt, und auf in den wohl unübersichtlichsten Supermarkt aller Zeiten.
Nach einer knappen Stunde und gefühlten 200 km Zickzack durch die Regalreihen hat man dann alles zusammen, was man so braucht (natürlich bis auf das, was man so vergißt) und schiebt sich wieder zur Kasse. Mein Fehler war, die gleiche Kasse wieder aufzusuchen, aber das sollte sich erst später herausstellen.
Alle Waren aufs Band schon kommt wieder ein unfreundliches “Nix nehmen Flasche aus Kasten!” – da will man mal nett sein, und es der Kassiererin einfach machen – aber okay, wer nicht will, der hat. Das restliche Geraffel ist auch recht zügig gescannt, es folgt die Frage “Rückzahl*-Karte?” – “Bittesehr…” Es folgt eine minutenlange Debatte darüber, daß die Karte nicht übertragbar sei (auf der Karte steht der Name meiner Mutter), letzten Endes gewinne ich, weil es auf der Karte nicht drauf steht und noch nie ein Problem war. Der Coupon “dreifache Punktzahl” wird ohne zu meckern eingelöst.
Doch dann mache ich den größten Fehler überhaupt – ich zücke meine EC-Karte. Kassiererin blickt kurz auf die Karte. “Das Ihre Karte?” – “Öh – wie bitte?” – “Is das Ihre Karte?” Das nenne ich Überraschungsangriff. Dumme Fragen ziehen dumme Antworten nach sich: “Nein. Das ist die Karte von meinem Opa, der im zweiten Weltkrieg gefallen ist.” (Meine Großväter leben zwar beide nicht mehr, im Krieg ist aber keiner von beiden gefallen, aber das muß die Dame ja nicht wissen.) Jetzt ist sie erstmal dran mit blöd gucken, ich schiebe ein “Natürlich isses meine, was denn sonst.” nach.
Doch Scherz zieht Boshaftigkeit nach sich, und ich darf mir von der Kassiererin anhören, daß man bei meinem “seltsamen Vornamen” ja mal fragen dürfe. Ich kann mir nir gerade eben so verkneifen zu kommentieren, daß der Name vielleicht in ihrem Kulturkreis seltsam sei, aber ich ihn mir schließlich nicht ausgesucht habe. Stattdessen frage ich betont freundlich “möchten Sie meinen Ausweis sehen?” – Sie verneint barsch. Sie reicht mir den Bon zur Unterschrift, vergleicht diese mit der Karte und fordert ebenso barsch “Ausweis!” Das war der berühmte Tropfen, der dem Faß den Boden ausschlägt. Ich werde laut, und beschwere mich über die allgegenwärtige Schikane bei diesem “Scheißverein”. Sie versucht mir klar zu machen, daß das alles nur “zu meiner Sicherheit” sei. Zu ihrer Sicherheit sollte sie mich besser nicht reizen, aber das versteht sie nicht. Unter lautstarkem Protest, ziehe ich schließlich von dannen. Wegen solcher Kleckerbeträge so ein Theater zu veranstalten, und dann den Kunden noch so unhöflich zu bedienen geht ja nun wirklich nicht.
Jetzt werd ich wohl den nächsten größeren Supermarkt hier in der Gegend suchen müssen, denn hier gibt’s ja nichts großes in der direkten Umgebung.
-Corny
*) Name geändert
{ 1 } Comments
Sehr schon, da sag ich nur Servicewüste Deutschland. Geschichten in dieser Art kommen immer wieder vor, und witziger weise immer in den Momenten wo man es gar nicht gebrauchen kann.
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